Wettbewerb „Neues Bauhaus-Museum Weimar“
Erläuterungsbericht

Linien

Wie das Bauhaus ein Netz internationaler Beziehungen begründet hat, bildet ein Netz von Linien den Grund des Neuen Bauhausmuseums. Parallel zur Achse des Weimarhallenparks und des Stadtschlosses als Zentrum des „Kosmos Weimar“ verweisen die Linien gleichzeitig auf die Geschichte Weimars. Im Gegensatz zum Schloss, das sich mit dem Stern im Innenhof als Zentrum definiert, bildet das Neue Bauhausmuseum einen Schnittpunkt von vielen in einem internationalen Netz. Baulich ist dieses offene Konzept sogar schon im Achsenversatz des Weimarer Schlosses angelegt.

Verdichtung

Das neue Bauhaus-Museum zeigt sich in der Feinstruktur nicht als einzelnen Knotenpunkt im Netz, sondern als Verdichtung von Einzelkörpern, die den Außen- und Innenraum des Museums strukturieren.

Repetition

Durch eine Folge von Rahmen werden die eigentlichen Museumsflächen generiert. Im Sinne eines offenen Bildes kann sich das Museum abschnittsweise in unterschiedliche Richtungen erweitern, was durch besondere Bereiche im Freiraumkonzept abgebildet wird.

Öffnung

Während die einzelnen Baukörper im Erdgeschoss sich über die gesamte Querseite öffnen und so die Verknüpfung mit der Stadt ermöglichen, ist die Öffnung im Untergeschoss auf die Schmalseiten begrenzt. Hier findet die Verbindung punktuell mit dem Park und dem Tiefhof statt. Somit entsteht in einem Gebäude durch die Überlagerung der Etagen nicht nur ein komplexes Gewebe, das über die eigentliche Gebäudefläche hinaus verweist, sondern ebenso differenzierte Räumlichkeiten, welche die Konzentration auf die Ausstellungsstücke ebenso ermöglichen wie das Bild eines offenen, mit der Stadt und ihrem Geschehen verwobenen Museums.

Bewegung

Eine sich weitende, gewendelte Treppe verknüpft die beiden unterschiedlichen Ebenen: Im Durchschreiten von 450° wird der Wechsel aus der Ost-West-Richtung der oberen Ebene auf die Nord-Süd-Richtung zelebriert.

Material

Im Sinne der Reduktion auf Struktur, Raumfluss und Ausstellungsstücke wird die Anzahl der verwendeten Materialien stark reduziert. Monolithische Wände aus weißem Dämmbeton prägen zusammen mit einem hellen Beton-Terrazzo das Gebäude, akzentuiert durch eingestellte, möbelhafte bronzene Körper. Im Sinne maximaler Offenheit werden alle weiteren Raumabschlüsse gläsern mit minimierten Profilen ausgeführt.
Durch die Kombination von weißem Dämmbeton und weißem Normalbeton und integrierter Haustechnik in Wand- und Deckenbereich wird es möglich, unter heutigen Hygiene- und Nachhaltigkeitsanforderungen eine gestalterisch auf das wesentliche reduzierte, monolithische Konstruktion umzusetzen. Die Verschattung der Glasdächer durch Solarmodule schafft nicht nur einen beträchtlichen regenerativen Energiegewinn (ca. 80 MWh/a) sondern stellt auch den optischen Bezug zwischen modularer Technik und dem modular aufgebauten Gebäude her.
Die Auswahl purer, langlebiger und alterungsfähiger Materialien trägt dem hohen Nachhaltigkeitsanspruch und der langen Nutzungsdauer eines Museumsbaus Rechnung.

Farbe / Beleuchtung

Besonders im Hinblick auf die Weimarer Bauhaus-Zeit, kann Bauhaus nicht auf „weiß“ reduziert werden. Im Sinne des Handwerklichen Gedanken prägen die puren Materialien das Gebäude und bilden einen neutralen Hintergrund für die Ausstellungsstücke. Die Beleuchtung im Foyer mit blau und gelb wirkenden Röhren, die in der Mischung weißes Licht ergeben, symbolisieren die im Weiß enthaltene Farbigkeit.
Im Sinne der Langlebigkeit, Energieeinsparung und Regelbarkeit wird in allen anderen Räumen eine sparsame LED-Beleuchtung eingesetzt.
Zur Reduktion der benötigten Lichtstärke wird in den Ausstellungräumen eine gleichmäßige Raumbeleuchtung realisiert. Die weißen Sichtbetonwände ergeben aufgrund ihrer porösen Oberfläche einen günstigen Kontrast zur ausgestellten Grafik.

Ausstellung

Auf der Ebene des alten Weimar zur Zeit des Bauhauses, also auf Parkniveau, verbindet das Ausstellungsgeschoss die Vorteile der lichtgeschützten, amplitudengedämpften Lage im Untergeschoss mit der Möglichkeit einzelner gerahmter Blicke in den Park. Der tiefliegende Skulpturenhof mit seinem Wasserbecken reflektiert den verrohrten Asbach und schafft neben blendfreiem Nordlicht für den Clusterbereich einen zusätzlichen offenen Ausstellungsbereich.
Die Räume werden zoniert durch freistehende L-förmige Wände, die auch Technik und Vitrinen aufnehmen können, und unterschiedlichste Raumkonfigurationen mit vielfältigen Durchblicken und Querbezügen ermöglichen.
Die vier Kapitel der Ausstellung sind den vier Achsen des Gebäudes zugeordnet, mit dem Bereich „Bauhaus Weimar“ im Zentrum. Neben dem Zugang zum Rundgang sind die nördlich angeordneten Schaulager, der Bereich „Bauhaus Weimar“ und die Ausstellungscluster direkt vom Foyer zugänglich. Eine interne Treppe ermöglicht den direkten Zugang zu Café und Uni-Galerie auf der oberen Ebene zwischen Park und Promenade.

„I came to see a museum and I found a school“

(Leonard R. Bacich)

In dem alle lichtunempfindlichen Nutzungen auf der Erdgeschossebene angeordnet sind, wirkt das Museum auf der Stadtebene als offene Struktur; das Foyer als Zentrum des Geschehens ist über die Promenade in Verlängerung der Asbachstraße von drei Seiten zugänglich. Die Werkstatträume lassen sich nicht nur mit Foyer und Kino zu einer großen Einheit verbinden, sondern beziehen auch die angrenzenden Aussenräume mit ein. Buchstäblich auf der Basis der im Untergeschoss ausgestellten Geschichte bieten hier vielfältige offene Räume die Möglichkeit, neues zu schaffen.

Außenräume

Mit der Promenade, dem Tiefhof und der Öffnung zum Park werden die Außenräume in die Struktur eingebunden und finden ihre Fortsetzung nach innen in den verglasten Erschließungszonen. Nach außen wiederum verlängern sich die Linien des Gebäudes in den Stadtraum und bilden differenzierte Platz- und Grünflächen, wobei letztere schon heute die Struktur einer zukünftigen Erweiterung abbilden.

Statik

Das Erscheinungsbild der gedreht gestapelten Bügel wird durch das Tragwerk maßgebend beeinflusst. Monolithische Außenwände aus wärmedämmenden Leichtbeton werden in Sichtbetonqualität sowohl nach außen hin als auch zum Innenraum ausgebildet. Die Spannweite der Dachdecken von ca. 20 m wird individuell, auf das Raumkonzept abgestimmt, durch raumtrennende Wandscheiben reduziert. Die Dachdecke kann damit auf eine Konstruktionshöhe von ca. 25 reduziert werden. Die Innenwände enthalten im UG und im Bereich der eingestellten Körper kleinformatige Schächte, die der Zu- Abluft, sowie der Elektroinstallation und Dachentwässerung dienen.
Die Decke über dem UG wird als Kassettendecke in Stahlbetonbauweise ausgeführt.
Die verbleibenden Deckenstege von 30 cm Breite genügen in Verbindung mit der Plattentragwirkung um die Nutzlasten im Erdgeschoss über eine Spannweite von ca. 10 m sicher abzutragen. Das Foyer wird stützenfrei durch einen schlanken Trägerrost überspannt. Die Gründung erfolgt über eine durchgehende Bodenplatte.

Brandschutz

Das Gebäude wird in zwei Brandabschnitte unterteilt. Die Abtrennung erfolgt im UG mittels Brandwand und Schiebetoren, im EG mittels Freistreifen (Promenade). Der Versammlungsbereich im EG wird aufgrund der Sichtverbindungen untereinander als ein zusammenhängender Bereich ohne innere Abtrennungen gewertet. Sämtliche Rettungswege (erster und zweiter Rettungsweg) werden direkt in den Außenraum mit (Ausnahme: Büroräume im OG über Rettungsgerät der Feuerwehr) baulich sichergestellt. Die Rauchableitung erfolgt natürlich, unter Ausnutzung der Tiefhöfe über öffenbare Elemente in Fassade und Dach. Eine automatische Brandmeldeanlage oder Sprinklerung werden baurechtlich nicht erforderlich.

Energie

Ziel ist, den visuellen und den thermischen Komfort zu optimieren, bei gleichzeitiger Reduzierung der Investitions- und Betriebskosten. Dies wird durch eine Minimierung der Gebäudetechnik und der Nutzung des Gebäudes für den Energiehaushalt an sich erreicht (Speichermassen, Pufferräume, integrierte Luftführung).
Ein weiterer Schritt zur Schonung der Energieressourcen sollte die Substitution fossiler Brennstoffe durch regenerative Energiequellen (Erdreich, Nachtkühle, Solarstrom) sein.
Der Schwerpunkt wird auf Maßnahmen gelegt, die integrativer Bestandteil des Gebäudeentwurfs sind.
Durch zahlreiche passive Maßnahmen wird der technischen Aufwand und damit verbunden auch der Energiebedarf für Strom, Heizung, Kühlung und Lüftung auf ein Minimum reduziert.
Wesentliche Leitgedanken der Planung sind ressourcenschonende Bauweise, Einsatz umweltschonender Baustoffe, Einsatz umweltverträglicher Technologien, niedrige Betriebs– und Unterhaltskosten. Um diese Ziele zu erreichen werden Pufferzonen geschaffen, natürliche Belichtung und Lüftung ermöglicht sowie die natürlichen Wärmequellen Sonne und Erdreich im Winter sowie die natürlichen Wärmesenken Nachtluft und Erdreich im Sommer genutzt.
Wesentliche Konzeptcharakteristika sind mechanische Grundlüftung über Quelllüftung (Verringerung der Antriebsenergie) und effiziente Wärmerückgewinnung, die Ausbildung von Pufferräumen (sekundäre Nutzung der solaren Gewinne), freie Speichermassen in Verbindung mit Bauteilkühlung/Bauteilheizung in den Betondecken bzw. Hybridkühldecken, über Wärmetauscher im Erdreich betrieben sowie Wassermanagement (Regenwassernutzung, Grauwassernutzung).
Zur Optimierung des visuellen Komforts erfolgt die Belichtung außerhalb der Ausstellungsräume weitestgehend natürlich mit beweglichem Sonnenschutz (Tageslichtlenkung) im Scheibenzwischenraum.
Zur Optimierung des thermischen Komforts dienen schwere Speichermassen, die nachts heruntergekühlt werden und tagsüber als kühler Gegenstrahler wirken.